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Freitag, 09 März 2018 06:48

Sensoren für DSLR Cameratraps

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Kamerfalle im Tiefschnee Kamerfalle im Tiefschnee

Wer mit DSLR-Kamerafallen zu arbeiten beginnt, steht häufig vor der Entscheidung, welcher Sensor sich am Besten als Auslöser eignet. Meine Erfahrungen habe ich einmal zusammengestellt.

Die Entscheidung über das Auslöseprinzip ist hoffentlich gefällt: je nach Einsatzzweck muss man sich zwischen den beiden Varianten aktiver (Lichtschranke) und passiver  (Bewegungsmelder/PIR) Auslöser entscheiden. Von allen Systemen gibt es mehrere Modelle auf dem Markt, die ich mehr oder weniger erfolgreich getestet habe.

1. eltima jokie

Eltima Jokie
Eltima Jokie

Die Eltima Jokie ist eine Reflexlichtschranke, die in Deutschland für Kurzzeitfotografie entwickelt wurde. Zwar wirbt der Hersteller damit, dass das System mit ausreichend Batterie auch längere Zeit on location bleiben kann, aber für den Einsatz als Lichtschranke für Kamerafallen ist sie eher weniger geeignet.

Sender und Empfänger befinden sich in einem Gehäuse und der Infrarotstrahl wird von einem Reflektor mit Triple-Spiegel von bis zu 10m Entfernung reflektiert. Das funktioniert soweit hervorragend. Allerdings wurde das System entwickelt, um Insekten, Wassertropfen und Kleinvögel im Flug zu erwischen, und das tut es dann auch, wenn es regnet, schneit oder im Frühling die Insekten fliegen. Die Folge: es entstehen Bilder über Bilder, und wenn dann das Objekt der Begierde vorbei kommt, sind die Akkus leer oder die Speicherkarte voll.

Mit einem Akkupack auf  D-Zellen hält das System bis zu 4 Wochen und wenn man das Anschlusskabel hackt, um den Wakeup-Modus, der die Kamera alle paar Minuten wieder aufweckt, auszuknipsen, ist die Jokie gut geeignet, wenn es um möglichst kurze Auslöseverzögerung geht. Also Fledermäuse und andere Kleinsäuger, Kleinvögel und Insekten. Für Kameras, die sehr lange (>1 Woche) ohne Kontrolle bleiben, ist sie ungeeignet und liegt deshalb bei mir im Schrank. Dafür ist sie klein und handlich und für ein "Overnightsetup" würde ich sie immer hernehmen.

Das System kostet ca. 150 €.

2. Trailmaster TM1550-PS

Trailmaster TM1550 PS
Trailmaster TM1550 PS

Der berühmte Trailmaster wird von Fotografen rund um die Welt für Langzeiteinsätze bei z.B. Schneeleoparden, Bären, Tigern und so weiter eingesetzt. Der hohe Preis von 390 USD + Zoll und Versand lohnt sich dennnoch denn: Der Trailmaster ist quasi unkaputtbar. Meine Systeme waren bereits über Wochen eingeschneit, im Wasser gelegen, haben Kälte und Hitze durchgemacht und waren dennnoch immer zuverlässig. 

Das System besteht aus zwei schwarzen Boxen: einem Infrarotsender und einem Empfänger, an dem man verschiedene Einstellmöglichkeiten vornehmen kann.So lassen sich Abtastrate (der Sender blinkt nur ca. 20 mal pro Sekunde), Anzahl der Auslösungen, zwei Sperrintervalle, in denen das System keine Bilder macht und allerhand weitere Einstellungen vornehmen, die durchaus nützlich sind. Die 2x4 Baby-Batterien halten bis zu 6 Monate ohne wenn und aber. Montiert wird an zwei Bäumen oder Pfosten und man bekommt das Tier immer genau dort fotografiert, wo man es haben will.

Es ist das zuverlässigste aller Systeme, aber auch das teuerste. Sehr schade finde ich, dass der Hersteller nicht auf einen kleineren Formfaktor achtet: mit heutigen Mitteln wäre das ohne Weiteres möglich.

3. Snapshotsniper 2

Die Amis sind ja dafür bekannt, immer alles mal selbst zu bauen. Und so ist es auch bei Wildkameras: wieso sollte man viel Geld verschwenden, wenn man aus alten Digitalkameras und ein paar Plastikboxen nicht wunderbar selbst so eine Kamera bauen kann? Aus dieser Szene kommt der Snapshotsniper 2. Gary, der Entwickler, ist begeisterter Jäger und hat mit dem Snapshotsniper ein sehr interessantes System auf dem Markt. Es handelt sich um einen sehr kleinen Bewegungsmelder mit einem Picaxe-Microcontroller, den es entweder vorkonfiguriert zu kaufen gibt, oder man arbeitet sich kurz ein und kann die verwendeten Programme selbst modifizieren und auf den Chip laden. Und statt eine Digicam dranzuhängen kann man auch ganz leicht eine DSLR anschließen.

Es lassen sich zwei Programme aufspielen, die man dann über einen Schalter auswählen kann. Das ist recht praktisch, wenn man erst vor Ort entscheiden kann, wie viele Bilder die Kamera pro Event machen soll oder ob zwischen den einzelnen Auslösungen mehr oder weniger Intervall sein soll.

Einziges Manko: Der Snapshotsniper kommt ohne Gehäuse und nur mit einer Fresnel-Linse für den Bewegungsmelder. Alles drumherum muss man selbst bauen, und da wird es jetzt schwierig. Zur Einstellung der Empfindlichkeit hat die Platine ein Potentiometer eingebaut. Und wenn nur ein bisschen Feuchtigkeit ins Gehäuse kommt, korrodiert selbiges und die Platine löst nicht mehr aus. Gar nicht mehr. Dann ist es quasi vorbei. Wenn aber einer dieser Auslöser einmal funktioniert, hat man wegen der Zuverlässigekeit jahrelange Freude daran.

Toll ist, dass man den Sensor auch direkt in die Kamerabox einbauen kann. Das ist nicht immer so gut, wie eine externe Box, die man genauer positioieren kann, aber man spart sich Kabel, Platz und die Gefahr von sich lösenden Steckverbindungen. Für "quick and dirty" Setups sollte man sich das definitiv überlegen!

Die Batterie bei diesem passiven System hält mindestens 12 Monate und wenn man ein Gehäuse hat, was wirklich dicht ist, ist der Snapshotsniper extrem zuverlässig. Das Tolle: der Bewegungsmelder ist so unempfindlich, dass ihm in der Sonne wackelnde Pflanzenteile oder Insekten gar nichts anhaben. Teils ignoriert er sogar in der Entfernung vorbeilaufende Mäuse, und das ist wirklich praktisch. 

Mit ca 50 USD ist das System sehr günstig und mein persönlicher Liebling unter den Auslösern für DSLR-Kamerafallen. 

4. Camtraptions Trigger

Die Britische Firma Camtraptions um den Fotografen Will Burrard-Lucas hat die Marktlücke erkannt und einen komplett fertigen Bewegungsmelder für die Kamerafallenfotografie entwickelt. Er bietet unzählige Programme, die über Dipswitches eingestellt werden können, man kann z.B. je nach Umgebungshelligkeit andere Einstellungen vornehmen. Diese Programme zu durchblicken erfordert allerdings ein genaues Studium der Bedienungsanleitung vor Ort, sonst ist man verloren. Meine Erfahrungen sind bisher recht postiv.

Die 6 AA-Batterien halten an die 8 Wochen so mindestens 3 Monate (seitdem hab ich 6 Lithium-AA im Sensor), Der Camtraptions Trigger hat dafür ein sehr solides Gehäuse mit Klappen, um den Blickwinkel des Bewegungsmelders einzuschränken. Allerdings ist das System seht empfindlich auf Bewegung und Temperaturunterschiede, so dass man mit vielen Fehlauslösungen rechnen muss. Gegen Feuchtigkeit ist er aber recht resistent. Toll sind die vielen verschiedenen Programme, um die Kamera auszulösen. Besonderen Spaß macht die Bulb-Option, mit der man die Kamera bei Bewegung mehrere Minuten auslösen kann (für Sternenhimmel oder ähnliches einfach unabdingbar).

Das Kabel für die Kamera wird unten eingesteckt und soll dadurch vor Feuchtigkeit geschützt sein.

5. Selbstbau Sensoren für Kamerafallen

In meiner Anfangszeit als Camtrapper hatte ich mir Controller auf Arduino-Basis gebaut, die verschiedene Anschlussmöglichkeiten für die unterschiedlichen Sensoren boten. Allerdings liegt das Problem nicht in den Controllern und den Einstellmöglichkeiten, sondern wirklich in den Sensoren. Die billigen, kleinen China-Bewegungsmelder von ebay sind absolut ungeeignet für Kamerafallen, da sie wieder viel zu empfindlich sind. Und fertige Lichtschranken brauchen einfach zu viel Strom, um 4, 6, oder 8 Wochen allein und unbeaufsichtigt im Wald zu stehen. Da lohnt es sich dann, das Geld in die Hand zu nehmen, und in Systeme zu investieren, die ein bisschen teurer sind, aber dafür wirklich zuverlässig funktionieren. Denn: nichts ist ärgerlicher, als ein ausgefallener Sensor und frische Spuren im Schnee direkt vor der Kamera.

 

 

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